Gletscherschmelze und Umweltauswirkungen

Wer sich um Trinkwasser sorgt, der muss sich zwangsläufig mit der Situation der alpinen und globalen Gletschern beschäftigen. Auf mehreren Routen habe ich den Vernagtferner immer wieder überquert. Dabei konnte ich mit eigenen Augen eine dramatische Entwicklung beobachten.

Der Vernagtferner befindet sich oberhalb des Rofentals, einem Seitental zum Ötztal, und ist einer der am frühesten erforschten Gletscher weltweit. Schon im frühen 17.ten Jahrhundert wurde der Gletscher dokumentiert, da er aufgrund seiner Ausdehnung die Rofener Ache zu einem See aufstaute. Immer wieder passierte es, dass der Eisdamm brach und eine Flutwelle das Venter Tal und das Ötztal überschwemmte und verwüstete. Ganze Serien sind bekannt aus den Jahren 1775, 1778 und 1780 und zuletzt 1845, 1846 und 1848. Seither hat der Gletscher nie mehr diese Ausdehnung erreicht ist immer deutlicher auf dem Rückzug.

Heute ist der Vernagtferner mehr als vier Kilometer vom Rofental entfernt und verliert seit den 1980er Jahre dramatisch an Masse. Waren es 1980 noch rund 370 Mio. Tonnen Eismasse sind es heute gerade mal noch rund 160 Mio. Tonnen.

In wenigen Jahren wird statt dem Gletscher nur eine karge Moränenlandschaft übrig bleiben.




Die folgenden Fotos zeigen den Gletscher in den Jahren 2000 und 2018:


Charakteristisch für den Vernagtferner ist, dass er mangels Niederschläge in den letzten Jahrzehnten einen zu geringen Firnkörper aufbaut, um genügend Gletschereis zu bilden. Aber der überdurchschnittliche Rückgang der Eismasse ist im Wesentlichen und eindeutig auf die globale Erwärmung durch den Klimawandel zurückzuführen. Ursache hierfür ist der Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere seit Beginn der Industrialisierung. Es handelt sich um einen anthropogenen (= menschengemachten) Klimawandel, da er hauptsächlich auf Industrie-, Forst- und Landwirtschaftsaktivitäten zurückzuführen ist, die Treibhausgase emittieren. Die Geschwindigkeit der aktuellen globalen Gletscherschmelze ist ohne Beispiel in der Geschichte.

Jährlich verlieren rund 19.000 untersuchte Gletscher weltweit um 335 Milliarden Tonnen Eis! Die Folgen sind Überschwemmungen durch Gletscherschmelze und langfristig führt dies zu Trockenheit, da in vielen Regionen der Erde Gletscher die wichtigste Trinkwasserquelle darstellen. Alleine im Himalaja-Gebirge profitieren 800 Millionen Menschen, das sind 10% der Weltbevölkerung, direkt oder indirekt in irgendeiner Form vom jährlichen Schmelzwasser aus dem Himalaja – ob für Bewässerung oder durch die Nutzung von Wasserkraft.


Fazit: Wir verlieren derzeit rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der europäischen Alpen. Und das jedes Jahr. Die Eisverluste sind nicht reversibel selbst wenn die Erderwärmung nicht weiter fortschreitet. Wir verlieren enorme Trinkwasserquellen und verursachen katastrophale Umwelteinflüsse.

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